Der Monolith aus den vielen Strichen
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Gebirge.
Massiv. Unverrückbar. Eine Wand aus Formen, die sich wie tektonische Platten übereinander schieben. Die Figuren stehen da mit der Schwere von Felsblöcken, fest verankert in einer ewigen Stille. Das ist die monumentale Geste des Bildes: Hier bewegt sich nichts mehr. Hier herrscht die absolute, erhabene Ruhe.
Doch beim Nähertreten brechen die scheinbar glatten Fassaden auf und offenbaren ein flirrendes Leben. Was von weitem wie ein schwerer Steinblock wirkte, entpuppt sich als ein feines Geflecht aus Tausenden von Linien, Punkten, Rastern und Mustern. Wie Flechten auf einem uralten Fels oder die feinen Adern in einem versteinerten Blatt.
Es ist ein Monument, das nicht aus grobem Stein gehauen, sondern aus filigranster Zerbrechlichkeit erbaut wurde. Standhaft im Ganzen, zart im Detail. Ein steinernes Schweigen, das bei genauem Hinsehen unendlich viel zu erzählen hat.

