Das Jahresstreffen der Gesellschaft für verschrobene Angelegenheiten
Einmal im Jahr, wenn der 31. Dezember auf einen Sonntag fällt, treffen sie sich.
Es beginnt mit dem Cocktail-Empfang. Man trinkt hier keine Martinis, sondern „Verflüssigte Melancholie“ oder „Essenz des Staunens“. Madame Rouge (die Dame mit dem Vogel auf dem Kopf) besteht darauf, dass ihr Hut ihr die Zukunft zwitschert, während der Herr mit dem Schnurrbart versucht, sein Getränk zu balancieren, ohne dass sein extrem langer Hals ins Schwanken gerät.

Am Tisch herrscht die Regel des „lauten Schweigens“. Man sitzt zusammen, genießt die Nähe, aber gesprochen wird nur über Telepathie oder Augenrollen. Die roten Kreise im Hintergrund sind keine Lampen, sondern die Gedankenblasen der Gäste, die an diesem Abend besonders farbenfroh sind.

Der Höhepunkt ist das große Buffet vor der gelben Wand. Hier zeigen sich die wahren Größenverhältnisse. Die Gäste sind so dünn, dass sie sich hinter einem Kerzenständer verstecken könnten. Sie essen nichts, sie betrachten das Essen nur intensiv, bis sie satt sind. Der Herr mit dem Zylinder (der Präsident des Clubs) überwacht, dass niemand versehentlich in die Suppenschüssel fällt.

Und schließlich gibt es die „Bruderschaft der Bärte“. Sie stehen geduldig an, nicht für Essen, sondern für den einzigen Kellner, der die Rechnung bringt. Denn in diesem Club gilt: Wer am längsten wartet, hat am meisten erlebt. Der Kellner serviert ihnen auf dem Tablett keine Rechnung, sondern einen kleinen Vogel – das Zeichen, dass die Nacht vorbei ist und sie in ihre Bücherregale und Gemälderrahmen zurückkehren müssen.

