Er schaut dich an, als hätte er gerade etwas sehr Interessantes in deiner Zeitung gelesen – und als würde er es dir nicht sagen. Die Wangen leicht gerötet, die Schnurrhaare akkurat, der Hintergrund ein freundliches Chaos aus Farbe, Text und Erinnerung. Jemand hat ihn gemalt, als wäre er ein altes Märchen. Er selbst findet das völlig angemessen.

Er sitzt. Er wartet. Worauf genau, weiß er selbst nicht mehr – aber er tut es mit einer Würde, die die meisten Menschen ein Leben lang üben. Sein Körper ist ein Collage-Wunder: Zeitungstext, Rautenmuster, ein Schmetterling am Rand, als hätte das Leben einfach mitgemalt. Das goldene Auge registriert alles. Es urteilt über nichts.

Hinter ihm tickt eine Uhr, kleben Briefmarken aus vergessenen Ländern, flüstern alte Briefe in Sprachen, die niemand mehr spricht. Er kümmert sich nicht darum. Er hat schon immer gewusst, dass Zeit eine menschliche Erfindung ist – und zwar keine besonders gelungene. Das gelbe Auge blickt ruhig. Er hat alle Zeit der Welt. Buchstäblich.

Pastellrosa Ohren, ein Blick, der leicht melancholisch wirkt – oder einfach nur müde vom vielen Zuhören. Die alten Zeitungsschnipsel im Hintergrund haben Geschichten, die sie nicht mehr loswerden. Er hat sie alle gehört. Einige davon hat er sogar geglaubt. Das weiße Fell trägt die Spuren von Farbe und Feder, als wäre er selbst Teil des Kunstwerks geworden – was er natürlich längst ist.
